Industrieverband langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme e. V.
Aktuelles LogiMAT 2026: PPWR zwischen Anspruch und Praxis

Lager und Transportsysteme pro-K Expert Forum mahnt mehr Förderung für zirkuläre Lösungen an

Im Rahmen der Intralogistik-Leitmesse LogiMAT in Stuttgart hat der pro-K Industrieverband im Expert Forum eine hochkarätig besetzte Paneldiskussion zur Zukunft der europäischen Verpackungsregulierung veranstaltet. Unter dem Titel „PPWR and other EU regulations – a curse or a blessing?“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Umweltbundesamt, Industrie und europäischer Interessenvertretung über die Auswirkungen der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) auf Mehrwegsysteme. Ihr Fazit: Durch den klaren Fokus auf Wiederverwendungslösungen bietet die PPWR viele Chancen und Möglichkeiten, allerdings gilt es jetzt aufzupassen, dass nachhaltige Mehrweganwendungen wie Lager- und Transportbehälter bei der Detailarbeit nicht benachteiligt werden.

26.03.2026, Frankfurt a.M.
Kate O’Brien, Dirk Bansemer, Britta Wyss Bisang, Dr. Ines Oehme (v.l.n.r.)

Den Auftakt bildete die Keynote von Dr. Ines Oehme, Fachgebietsleiterin „Kunststoffe und Verpackungen“ beim Umweltbundesamt (UBA). In ihrem Vortrag machte sie deutlich, dass die PPWR erstmals umfassende Anforderungen entlang des gesamten Lebenszyklus von Verpackungen definiert – von der Abfallvermeidung über Wiederverwendung und Re­cyclingfähigkeit bis hin zu Mindestrezyklatanteilen und Kennzeichnungs­pflichten. Ziel sei es, die Vorgaben konsequent an der Abfallhierarchie auszurichten und so Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz in Europa zu stärken.

Gleichzeitig verwies Dr. Oehme auf bestehende Herausforderungen: Obwohl Deutschland im Jahr 2023 mit einem Rückgang des Verpackungsabfalls um 5,4 Prozent pro Kopf im Vergleich zum Jahr 2018 das Minderungsziel für 2030 bereits erfüllt, bleibt unsicher, ob auch die ambitionierten Vermeidungsziele für 2040 in Höhe von 15 Prozent erreicht werden können. Trotz steigender Recyclingquoten zeichnen sich beim Einsatz von Rezyklaten Engpässe ab, da die wachsende Nachfrage einem begrenzten Angebot gegenübersteht und Recyclingkapazitäten in Europa zunehmend unter Druck geraten.

Zwischen regulatorischem Anspruch und industrieller Realität

Die anschließende Paneldiskussion unter Moderation von Britta Wyss Bisang, Vice President Sustainability & Public Affairs bei IPL Schoeller, machte deutlich, dass die Ziele der PPWR breite Unterstützung finden. Entscheidend wird jedoch sein, die Umsetzung so zu gestalten, dass funktionierende Mehrwegsysteme ihre Stärken voll entfalten können. Aus Sicht der Umweltverwaltung schlussfolgerte Dr. Ines Oehme: „Die PPWR setzt klare Leitplanken für mehr Ressourceneffizienz entlang des gesamten Verpackungslebenszyklus. Dafür braucht es praxistaugliche Regelungen und ein regulatorisches Umfeld, das Innovation und Investitionen in zirkuläre Lösungen fördert“.

Kate O’Brien, Vertreterin des Secretariats des Roundtable for Reusable Containers, Trays and Pallets in Brüssel, hob die ökologischen Vorteile von Mehrwegsystemen hervor: Eine einzelne Mehrwegverpackung durchlaufe teilweise über 100 Zyklen und ersetze im Laufe ihrer Lebensdauer zahl­reiche Einwegalternativen. In den derzeit erarbeiteten Rechtsakten der PPWR bestehen aber nach wie vor zahlreiche Unsicherheiten. Unklar sei beispielsweise die Anzahl an Umläufen für ein Produkt, um als wieder­verwendbar zu gelten. Vor diesem Hintergrund plädierte sie dafür, bestehende Mehrweglösungen politisch gezielt zu stärken.

Einen konkreten Praxisblick lieferte Dirk Bansemer mit den Euro Plant Trays. Ausgangspunkt sei die Zielsetzung gewesen, Einweg-Pflanzentrays durch ein Mehrweg-Pool-System zu ersetzen. Angesichts von jährlich rund 150 Millionen entsorgten Einweg-Trays allein in Deutsch­land zeige die Europäische Genossenschaft, welches Potenzial in skalierbaren Mehrweg­lösungen liege. Die entwickelten Systeme seien ein konkretes Beispiel dafür, wie sich die Anforderungen der PPWR praxisnah umsetzen lassen.

Mit dem Expert Forum auf der LogiMAT 2026 hat pro-K eine Plattform für den konstruktiven Dialog zur PPWR zwischen Industrie, Politik und Behörden geschaffen – und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft im Bereich Lager- und Transportlogistik gesetzt.

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pro-K
Als Trägerverband des Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie e.V. (GKV) vertritt der pro-K Industrieverband langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme e.V. als Spitzenverband die Hersteller von Konsum- und Halbfertigprodukten aus Kunststoff gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Dr. Patrick Kohlas
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